Geschrieben von Konrad Jentzsch

Das Team stellt sich vor:
Unser Chorleiter im Interview 🎤

Konrad Jentzsch:

Als du 2015 an das Pestalozzi-Gymnasium kamst, was waren damals deine Ziele und Vorhaben? Was wolltest du verändern bzw. wo wolltest du dich einbringen?

Max Röber:

Wenn man als Lehrer neu an eine Schule kommt, dann guckt man als Erstes, was da ist. Der damalige Direktor Herr Beck hatte gleich gesagt, dass er einen Chor an der Schule möchte, dass ich das übernehmen soll und dass ich dafür zwei Stunden pro Woche zur Verfügung habe. Das war der Anlass, dass ich mit Chor anfing. Es hätte genauso ein Orchester sein können. Es gab bereits eine Chortradition an der Schule, sodass man darauf aufbauen konnte. Dadurch, dass im Stundenplan festgelegt war, dass Mittwoch 14:30 Uhr der Chor probt, konnte ich gleich damit beginnen und wenn man etwas macht, macht man es richtig und dann geht es richtig los. Ich verstehe einen Chor als ein Ensemble, das regelmäßig probt und auftritt. Dass es ein paar Projekte gibt und jeder kommt, wann er Lust hat, das kenne ich von Musik nicht. Ich bin damit aufgewachsen, dass es bei Musik gewisse Verpflichtungen gibt und dass Disziplin, ein gewisser Anspruch und eine rege Konzerttätigkeit dazugehören. So hat es sich entwickelt, dass wir stetig wuchsen - erst quantitativ, dann qualitativ. Allerdings ist es bei einem Schulchor immer die Herausforderung, dass welche gehen und immer welche dazukommen. Es gibt somit ein gewisses Niveau, das man hält und entwickeln kann und mit den Rahmenbedingungen muss man spielen: Mal hat man eine starke Oberstufe, dann wieder viele jüngere. Die Bedingungen sind aber gut. Man hat Schüler, die sofort mitmachen, von denen es mit der Zeit auch immer mehr wurden. Es kommen mittlerweile auch Leute von sich aus auf mich zu, die in den Chor kommen möchten, was vor Jahren nicht unbedingt der Fall war. Alles hat sich mittlerweile etwas automatisiert.

Konrad Jentzsch:

Du bist nun auch in einigen anderen Chören stark präsent und engagiert. Was ist die Besonderheit am Jugendchor im Vergleich zu den anderen? Was zeichnet die Arbeit hier für dich aus?

Max Röber:

Die Besonderheit sind die Jugendlichen, die unvoreingenommen und neugierig dabei sind, auch noch nicht viel Chorerfahrungen haben und noch kein so großes musikalisches Spektrum als Wissen mitbringen. Das ist ein großer Schatz, weil man dadurch ganz viele unterschiedliche Angebote in jegliche Richtung machen kann, zum Beispiel von Rock und Pop bis hin zu geistlicher Vokalmusik. Man muss den Zugang schaffen und dann bin ich immer wieder erstaunt, mit welcher großen Neugierde und mit welchem großen Vertrauen das wahrgenommen wird. Nicht jeder ist in der Kirche beheimatet oder es gewohnt, geistliche Lieder zu singen, aber trotzdem tun sie es und finden Gefallen daran. Ich bin davon immer wieder fasziniert, da es in anderen Chören anders ist. Wenn man ältere Menschen vor sich hat, die teilweise mit ihren Erwartungen, ihren Bildern und auch in der Wiedergabe von Stücken, die sie kennen, vorgefertigt sind, hat man es als Chorleiter schwer, einen neuen Interpretationsentwurf zu etablieren. Das ist hier ein großer Vorteil, der der Gesamtentwicklung zugute kommt.

Konrad Jentzsch:

Was sind deine Ziele mit dem Jugendchor? Wo soll es hingehen? Wo siehst du den Chor in der Zukunft?

Max Röber:

Kurzfristig gesehen ist es das Ziel, dass wir aus der Zeit des eingeschränkten Singens gestärkt hervorgehen und dass diese weniger Spuren hinterlässt, als man annimmt oder auch vorher angenommen hat. Es ist leider so, dass wir gerade bei den Jugendchören arge Verluste haben, nicht nur bei der Anzahl der Sänger, sondern auch institutionell. Von jetzt auf gleich hörten viele auf, die nun nicht mehr existent sind. Bei uns sehe ich das Problem zwar nicht, aber auch wir müssen immer weiter begeisterte junge Leute aufnehmen und darauf hoffen, bald wieder Konzerte geben zu können. Wir haben eine Generation von jungen Sängerinnen und Sängern, die seit 1,5 Jahren im Chor sind, aber noch kein einziges Konzert sangen, worauf es ja eigentlich ankommt. Auf die Bühne zu gehen und zu präsentieren, was man als Gemeinschaft über Monate einstudierte, ist enorm wichtig und ich hoffe, dass uns das im Sommer gelingt.

Mittelfristig will ich wieder zu unserem erarbeiteten Konzertkalender mit den Weihnachtskonzerten, dem Benefizkonzert, den Sommerkonzerten und einigen Besonderheiten zurückfinden. Daneben sehe ich die Aufgabe, dass wir die geistliche Vokalmusik, die so ein großer Fundus ist, wieder in Teilen erarbeiten und dass wir dort weitere Wege gehen können.

Davon abgesehen heißt es gerade als Jugendchor bzw. als Schulchor herbe Verluste im Sommer hinzunehmen, aber gleichzeitig viel Neugewinn und neue Akzente im Spätsommer zu bekommen. Dieser Rhythmus bedeutet für mich eine ständige Arbeit, die Verluste zu verkraften und die Neuzugänge gut zu integrieren.

Konrad Jentzsch:

Hast du abschließend noch ein paar Wünsche oder etwas, das dir am Herzen liegt, das du gern loswerden möchtest?

Max Röber:

Wir leben gerade in einer Zeit, wo viel nach Zahlen geschaut wird, wo vieles sehr technisiert wird und wo die Digitalisierung ein großes Thema ist. Es wird auch viel nach Sicherheit gefragt. Vielleicht gelingt es uns durch Musik oder durch das Singen eine Alternative dazu bieten zu können, dass man sagen kann, dass es eine Art aufatmen von der digitalen Welt ist, gerade im Miteinander. Ich finde, dass das etwas ist, dass man braucht, dass die Menschen Musik nicht als rationalen Faktor oder als Zahl, sondern als einen Lebensinhalt verstehen. Für mich ist das eins der systemrelevantesten Sachen und die Luft zum Atmen, was auch für viele andere so ist. Die Erkenntnis zu wecken, dass man Musik braucht und dass Generationen, die das gerade so erfahren, später einmal anders entscheiden als die jetzige Generation, das ist ein Wunsch, den ich allen mitgeben will.