Geschrieben von Konrad Jentzsch

Interview mit Stardirigent Hans-Christoph Rademann 🎤

Während der Proben zu Carmina Burana in Aue hatten wir die Ehre und Möglichkeit, den Dirigenten Hans-Christoph Rademann zu interviewen. Wir sprachen mit ihm darüber, wie er die Musik für sich entdeckte und was sie für ihn bedeutet, wo er Probleme bei der musikalischen Weiterbildung junger Menschen in der heutigen Zeit sieht und welche Tipps er für angehende Sänger hat.

Wir sind ihm sehr dankbar, dass er uns einen Einblick in seine Gefühlswelt gab und uns darin bestärkt hat, sich nicht unterkriegen zu lassen und weiterhin Schülerinnen und Schüler für die Musik zu begeistern.

Konrad Jentzsch:

Herr Rademann, wann wurde bei Ihnen eigentlich die Begeisterung für die Musik ausgelöst?

Hans-Christoph Rademann:

Ich bin in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen, denn meine beiden Eltern sind Kirchenmusiker. Zwar war meine Mutter viel zu Hause, hat aber Klavier unterrichtet und wenn man so will, habe ich als Kind den ganzen Tag Musik um mich herum gehört, denn es hat immer jemand Klavier gespielt oder es wurde bei Tisch etwas gemeinsam im Kanon gesungen. Durch meinen Vater bin ich mit musikalischer Früherziehung groß geworden und als Kind direkt zur Musik hingeführt wurden. Wir haben dann mit Orff-Instrumenten gearbeitet und wurden auch im Singen geschult. Sozusagen wurde ich direkt mit reingezogen.

Konrad Jentzsch:

Was begeistert Sie an der Musik? Was finden Sie am Singen fantastisch?

Hans-Christoph Rademann:

Ich habe sehr viele Erfahrungen mit Musik gesammelt, die mich überwältigt haben. Beim Anhören hat es mich überwältigt. Beim Singen hat es mich überwältigt. Wenn du dann diese Gefühle, die dort entstehen, als Werte erkennst, dass das im Grunde ein Lebenselixier ist, wie als würde man eine Vitaminspritze kriegen, die Power und Zuversicht mit sich bringt und die die Freude am Leben steigert, dann will man damit eigentlich gar nicht mehr aufhören. Meine Arbeit, die ich jetzt zum Glück professionell ausüben kann, ist für mich das größte Geschenk in meinem Leben. Dass ich das, was ich am liebsten mache, jetzt als Beruf habe, gibt mir viel Kraft.

Konrad Jentzsch:

Wir müssen kurz darüber sprechen, denn es spielt für viele eine große Rolle: Das Singen ist zurzeit verpönt und man hat teilweise den Eindruck, dass es das Schlimmste überhaupt ist und gerade an Schulen ist es nicht leicht, damit umzugehen. Welchen Stellenwert hat das Singen an Schulen für Sie?

Hans-Christoph Rademann:

Für mich stellt sich das so dar, dass die Schulmusik bzw. die Musik an Schulen in weiten Teilen Deutschlands in der Krise steckt. Das ist aber nicht nur Corona-bedingt, sondern es ist von der Ausrichtung und von der Zielvorgabe der Politik viel zu wenig im Fokus, dass man die musikalische Erziehung fördern muss. Es gelingt an Schulen nur dann sehr gute Chormusik zu organisieren, wenn charismatische Dirigenten vor Ort sind. Dort müsste viel mehr getan werden! Wenn man einige Jahrhunderte zurückschaut, dann war es in den ganzen hochkarätigen Schulen der damaligen Zeit so, dass an jedem Tag mehrere Stunden Musik angesetzt waren, denn Musik korrespondiert mit der Naturwissenschaft, auch mit Mathematik. Wenn wir uns jetzt unterhalten, dann könnte man sagen, die Formprinzipien der Musik sind naturwissenschaftlich ausgerichtet. Sozusagen greift da ein Rad ins andere.

Konrad Jentzsch:

Wir sind ein eher kleines Gymnasium mit ca. 500 Schülern und eine naturwissenschaftliche Schule. Über die Zeit jedoch ist die Musik viel zentraler geworden, denn fast 1/5 der Schüler sind mittlerweile im Chor bzw. haben die Musik als ihr Hobby gewählt.

Hans-Christoph Rademann:

Das ist ein sehr guter Schlüssel. Wenn jede 5. Person im Chor ist, wird das Singen mit einem Mal cool und vielleicht gibt es auch einige, die neidisch werden und fragen, wie es sein kann, dass die mit einer so guten Laune hingehen und auch wieder rauskommen. Dieser Effekt ist ein guter Motivator.

Konrad Jentzsch:

Haben Sie abschließend als Stardirigent noch ein paar gute Tipps für junge Sängerinnen und Sänger, die gerade die Musik für sich entdeckten und sie als ihr Hobby gewählt haben?

Hans-Christoph Rademann:

Ich hätte für die ein paar Tipps, die mit den jungen Leuten arbeiten. Es geht sehr darum, dass man sich um die stimmliche Entwicklung kümmert. Wenn die Kinderstimme im Übergang zur Erwachsenenstimme ist, was ein komplizierter Vorgang ist, muss an den Schulen eine gute Stimmbildung und Stimmpflege durchgeführt werden. Im Allgemeinen, wer im Chor singt, der spürt es am eigenen Leib, dass es gut für die Atmung, für den Körper und das eigene Gefühl ist. Das ist eine sehr gute Beigabe für ein gut gelingendes Leben.

Konrad Jentzsch:

Dann auf ein gelingendes Konzert am Mittwoch, vielen Dank Ihnen!