Geschrieben von Konrad Jentzsch am 25.03.2026
Aron Dietrich:
Wie hat es sich ergeben, dass du zu uns gekommen bist?
Hanjo Laabs:
Wir hatten damals mit dem Studiochor der Hochschule für Musik eine Kooperation mit dem Jugendchor und da hat mich Herr Röber angesprochen, ob ich mir das vorstellen könnte und da ich die Schüler zu dem Zeitpunkt schon kannte, war das ein glücklicher Zufall und habe natürlich ja gesagt.
Aron Dietrich:
Und du bist gleichzeitig als Dirigent im Studiochor tätig.
Hanjo Laabs:
Genau. Ich bin SHK, also studentische Hilfskraft und kümmere mich hauptsächlich neben der Mitgliedschaft im Studiochor als Student auch noch um die Organisation von Konzerten, um die Anwesenheitskontrolle und um die Kommunikation zwischen Studiochorvorstand und dem Dozententeam. Aber auch um die Kommunikation bei Kooperationsprojekten, wie dem mit Heidenau, kümmere ich mich.
Aron Dietrich:
Wie kam es dazu, dass du dich so stark in der Musik engagierst?
Hanjo Laabs:
Ich habe schon in der Grundschule sehr gern im Schulchor mitgesungen und war ab der 3. Klasse im Orchester meiner Heimatstadt. Dort habe ich das Notenlesen und das Ensemblespiel gelernt, wie es so ist, in einem Orchester zu spielen. In der 9. Klasse habe ich ein eigenes Orchester an meiner Schule gegründet und habe dafür auch arrangiert und dirigiert. Wir hatten dann unterschiedlichste Konzerte, wie Weihnachtskonzerte oder Abiturzeugnisausgabe oder externes. Als Corona kam, war es ein sehr harter Cut, wo ein Orchesterleiter plötzlich ohne Orchester dastand.
Das war aber insgesamt schon eine coole Zeit.
Aron Dietrich:
Zu dem Zeitpunkt hattest du dann bereits viel mit jungen Leuten gearbeitet.
Hanjo Laabs:
Ich war in der 9. Klasse und hatte mir gegenüber 12.-Klässer sitzen. Für die war die Altersdifferenz aber kein Problem. Wir haben uns gut verstanden. Ich finde, das merkt man auch in der Schule, dass der Ort des Lernens um diese soziale Komponente erweitert wird, dass man sich kennt, wenn man sich über den Weg läuft und man nicht einer von 800 ist.
Aron Dietrich:
Konntest du dir etwas an Erfahrung mitnehmen, was dir jetzt hier beim Jugendchor bei den Proben hilft? Fällt dir das Miteinander hier leichter als wenn du mit Erwachsenen probt?
Hanjo Laabs:
Ich glaube, die Schüler sind experimentierfreudiger. Allerdings braucht es da auch wieder mehr Überzeugungskraft, dass die das auch wirklich machen. Ich habe durch meinen Gesangsunterricht ein paar Ideen, wie was anders klingen könnte und was man stimmtechnisch anders machen kann, damit es besser klingt. Das sind nicht unbedingt die coolsten Sachen, aber uncool klingt in dem Fall trotzdem besser. Die Schüler dann so weit zu bringen, dass sie es machen, dauert unter Umständen dann länger als zum Beispiel mit Studierenden. Aber das Erfolgserlebnis auf beiden Seiten ist durch den intensiven Prozess wertvoller, weil man es immer neu entwickelt.
Aron Dietrich:
Wie bringt dich die Arbeit mit dem Jugendchor persönlich weiter?
Hanjo Laabs:
Ich bin zwar zeitlich gut ausgelastet, aber das Arbeiten mit Schülern haben wir sonst nicht im Studiochor, zumindest nicht so intensiv und überdauernd. Die Praktika-Phasen gehen ja nur drei bis vier Wochen und dann sind die Schüler wieder weg. Hier hat man aber wirklich die Gelegenheit, sie über einen längeren Zeitraum kennenzulernen. Der Jugendchor in Heidenau ist wirklich ein Paradebeispiel dafür, wie Schulchorarbeit laufen kann, vor allem im ländlichen Bereich, ohne, dass die Schule ein Spezialgymnasium für Musik sein muss. Dafür so einen so guten Chor aufzustellen, ist ein Hoffnungsschimmer am Ende eines tiefen schwarzen Tunnels, den man zumindest in Sachsen ziemlich stark wahrnimmt. Die Chorlandschaft in den Schulen ist aufgrund des Mangels an Musiklehrern geschrumpft. Das hier zeigt mir als angehender Musiklehrer, wie es sein kann.
Aron Dietrich:
Was denkst du, wie wird es mit dem Chor nach deiner Zeit weitergehen? Du verlässt uns ja nach deinem kurzen Einsatz wieder.
Hanjo Laabs:
Es ist tatsächlich so, dass ich zurzeit sehr viel außerhalb meines Studiums mache. Der Teil ist gerade so groß, dass andere Dinge tatsächlich darunter leiden, wo ich mich auch ein bisschen ärgere, weil ich dachte, dass ich das hinkriege. Aber wenn man merkt, dass andere Dinge qualitative Abstriche erfordern, bin ich kein Freund davon. Das tut mir aber sehr leid, weil man eine Bindung zu den Schülern aufbaut und es immer viel Spaß macht. Es ist eine tolle Arbeit und die wieder abzugeben ist schade. Aber ich weiß auch, dass andere Leute übernehmen, die es mindestens genauso gut machen. Das zu wissen ist eine Erleichterung. Neue Impulse gerade für Chöre sind auch ganz wichtig.
Aron Dietrich:
Vielen lieben Dank!
