Geschrieben von Konrad Jentzsch am 19.03.2025
Konrad Jentzsch:
Wie bist du zur Musik gekommen? Was hat dich daran besonders inspiriert?
Anna Stronski:
Ich bin über das Cellospielen zur Musik gekommen und das auch nur durch Zufall. Meine Schwester hat Geige gespielt und ich wollte das auch spielen, was aber keine gute Idee war. Deshalb wurde es das Cello. Ich hatte eine ziemlich gute Lehrerin, die sehr viel an mich geglaubt hat. Dann habe ich angefangen zu üben und habe gemerkt, wie viel dahintersteckt, vor allem bei klassischer Musik, wie viel Tiefe man aus dieser hervorholen kann. Es hat mich auch immer stark zur Ruhe gebracht etwas mit Musik zu machen und irgendwann ging alles nicht mehr ohne. Ich musste dann einfach Musik machen. Dann musste es sozusagen bei mir immer weiter gehen.
Ich komme tatsächlich nicht aus einem Haushalt, in dem viele Musiker ansässig sind. Es wird zwar schon viel Wert auf Kunst gelegt, aber direkt aus der musikalischen Richtung kommt keiner.
Konrad Jentzsch:
Gibt es noch Weiteres, dass dich an der Musik berührt? Du meintest, dass du dabei gut entspannen kannst.
Anna Stronski:
Es ist auch viel das gemeinsame Musizieren. Ich liebe auch Improvisation.
Das ist auch der Grund, weshalb ich das Chorsingen so wertvoll finde. Es zeigt so viele zwischenmenschliche Facetten und es ist mit viel Begegnung verbunden. Das ist eine Ebene, die man sonst nicht einfach irgendwo findet.
Konrad Jentzsch:
Wie genau bist du denn dann eigentlich zum Jugendchor gekommen, wo Musik für dich zu Beginn keine so große Rolle spielte?
Anna Stronski:
Ich habe viele Umwege genommen. Tatsächlich habe ich schon lange Cello gespielt und habe auch sehr gern gesungen. Ich hatte auch Musik im Abi, was ganz besonders an meiner Schule war, dass das ging. Ich habe danach lange überlegt, was ich mache. Zuerst war ich auf einer Baustelle und habe da gebaut, dann habe ich mit Betreuten gearbeitet und war in Spanien unterwegs. Dann habe ich ein Studienjahr zur Musik in Hamburg besucht, konnte aber nicht genug bekommen. Ich habe dann den Doppelfachplatz hier in Dresden an der Hochschule bekommen und konnte dann letztes Jahr zusammen mit Maximilian Schwarze und Katharina Türpe und unserem Chorleitungsprofessor und einigen anderen Studierenden nach Hamburg auf ein Chorleitungssymposium fahren. Dort haben Katharina, Max und ich uns kennengelernt. Die haben zu der Zeit jemand neuen für die Chorassistenz gesucht bzw. hatte Katharina jemanden als Ersatz gesucht. Sie meinte: „Bor Anna, das passt doch voll zu dir!“ und irgendwie fand sie das ziemlich cool und ich fand das auch cool. Aber dann war leider noch die Frage, ob das überhaupt geht, weil ich nicht so begnadet im Klavierspielen bin wie die beiden. Irgendwann bin ich dann doch mal zu den Proben mitgekommen und so hereingerutscht.
Es ist das erste Mal für mich mit Schülern zu arbeiten und es ist etwas ganz anderes und total bereichernd.
Konrad Jentzsch:
Was fasziniert dich besonders an diesem Jugendchor, bei dem ja so viele junge Leute dabei sind?
Anna Stronski:
Es ist alles viel intuitiver. Es ist lebendig. Es ist alles aktiv. Man steht plötzlich mittendrin, ist voll im Geschehen und wird kritisch beäugt, aber trotzdem liebevoll aufgenommen. Das finde ich sehr besonders und ich fühle mich dabei auch sehr wohl. Auch, dass es in einer Schule wirklich so viel Begeisterung für das Musikalische geben kann, ist sehr besonders. Vor allem auch die Offenheit, mal einen Schütz zu singen.
Konrad Jentzsch:
Nimmst du etwas aus der Arbeit mit unserem Chor für deinen späteren Lebensweg mit?
Anna Stronski:
Ich finde die Dynamiken spannend, die es gibt. Auch wie Herr Röber damit umgeht und es geschafft hat, so viel Begeisterung für die Sache zu streuen. Ich darf hier total viele Erfahrungen sammeln und lerne auf jeden Fall sehr viel dabei. Vor allem über mich, wie ich mit bestimmten Situationen umgehe.
Konrad Jentzsch:
Wo geht es für dich später einmal hin, möglicherweise auch nach dem Kapitel Jugendchor?
Anna Stronski:
Ich habe noch keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob es wirklich die Schule für immer wird. Vielleicht wird es auch noch etwas in die medizinische Richtung. Vielleicht aber auch noch viel mehr in die musikalische Richtung. Das ist eine große Frage, mal schauen. Aber ich glaube, dass es ohne Musik einfach nicht geht.
Konrad Jentzsch:
Gibt es etwas, das du unbedingt mit diesem Chor erleben willst? Ein bestimmtes Werk zum Beispiel?
Anna Stronski:
Es gibt so viele tolle Werke. Ich glaube, ich habe da keinen besonderen Anspruch oder eine Idee, aber ich mag Stücke, die auf mich zukommen, die ich vorher noch gar nicht kannte. Auch wenn das mit viel mehr Arbeit verbunden ist. Dadurch erweitert sich mein Repertoire unglaublich. Das ist eben der Zwiespalt, aber ich mag es total, wenn einem viel vorgesetzt wird und man selbst nicht weiß, wie es interpretiert wird oder werden soll. Einen konkreten Wunsch habe ich allerdings nicht.
Konrad Jentzsch:
Dafür bist du bei uns genau richtig. Vielen Dank für das Gespräch!